Biblische Chronologie |
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"Chronologie ist wichtig. Ohne Chronologie ist es nicht möglich, die Geschichte zu verstehen, denn Chronologie ist das Rückgrat der Geschichte." E.R.Thiele
Israel ist das einzige Kulturvolk der Welt, das uns einen lückenlosen chronologischen Bericht seiner eigenen Geschichte gibt. Wer zum ersten Mal 1Mo 5 und 11 liest, wird den dort aufgeführten Geschlechtsregistern kaum etwas Interessantes abgewinnen. Sie sind aber keineswegs unwichtig, denn sie machen deutlich, daß die berichteten Ereignisse tatsächlich Geschichte sind.
Die Biblischen Zeitangaben sind insgesamt maßvoll und vernünftig, selbst bei den Urvätern der Menschheit. Nach den Angaben der Bibel betrug das Durchschnittsalter der Menschen vor der Flut 912 Jahre[1]. Wenn man diese Angaben jedoch mit den zehntausenden von Jahren der babylonischen Urkönige vergleicht, stellen sich diese Zahlen wirklich sehr nüchtern dar. Ein sumerischer Tontafeltext behauptet z.B.: "Als das Königtum vom Himmel herabkam, da war es zuerst in der Stadt Eridu. In Eridu ward Alulim König; er regierte 28800 Jahre: Alalgar regierte 36000 Jahre. Das sind zwei Könige mit 64800 Regierungsjahren... "
Addiert man in den Geschlechtsregistern der Genesis die Zeiträume bis zur Geburt der aufgeführten Söhne, so erhält man die Zeitspanne von der Schöpfung bis zur Sintflut, bzw. von der Sintflut bis zu Abraham. Das zeitliche Verhältnis mehrerer historischer Vorgänge zueinander nennt man relative Chronologie.
Dabei wird in der Regel ein besonderes Ereignis mit einem bekannten Ereignis verknüpft. Solch ein Bezugsereignis war z.B. der Auszug aus Ägypten (1Kö 6,1), der Tod eines Königs (Jes 6,1) oder ein Erdbeben (Amos 1,1). In der Königszeit setzte sich dann die Datierung nach dem Regierungsantritt des jeweiligen Königs wie bei den Nachbarvölkern durch.
Die Jaheszahlen im heutigen jüdischen Kalender beziehen sich auf die Erschaffung der Welt. Diese Chronologie ist im Mittelalter entstanden und geht von der Weltschöpfung am 7. Oktober 3761 v.Chr. aus. Auf dieses Datum kamen die Juden durch folgende Überlegung: Von Adam bis zum Auszug Israels aus Ägypten setzte man eine Zeitspanne von 2448 Jahren an und von da bis zur Zerstörung Jerusalems durch römische Truppen unter Titus noch einmal 1380 Jahre. Zusammen ergibt das 3828 Jahre. Den Fall Jerusalems legte man auf das Jahr 68 n.Chr. (richtig wäre 70 n.Chr. gewesen), so daß die Welt genau 68 - 3828 = 3760 Jahre vor Christi Geburt entstanden sein mußte. Wegen des Jahr-Null-Problems unserer Zeitrechnung muss noch ein Jahr addiert werden und man erhält das Jahr 3761 v.Chr. als das Jahr der Erschaffung der Welt. Weil alle geschichtlichen Vorgänge zu diesem Datum in Beziehung gesetzt werden, handelt es sich um eine absolute Chronologie.
Aber auch die christliche Zeitrechnung, die von dem "Jahr der Menschwerdung des Herrn", also der Geburt Christi, ausgeht und von diesem Zeitpunkt aus sowohl die vorherigen als auch die späteren Ereignisse einordnet, ist eine absolute Chronologie.
Das in den alttestamentlichen Genealogien verwendete hebräische Wort für "zeugen" YALAD hat eine mehrfache Bedeutung: 1. als Mann seine Frau dazu führen, fruchtbar zu sein, Kinder von ihr zu haben. 2. zu zeugen als Vater. 3. gebären oder hervorbringen. Es kann im direkten oder übertragenen Sinn gebraucht werden. In 1Mo 46,18 hat das Wort eine übertragene Bedeutung: "Das sind die Söhne der Silpa, die Laban seiner Tochter Lea gegeben hatte; und sie gebar diese dem Jakob, sechzehn Seelen." Wir wissen, daß einige davon Enkel waren. Ein klassisches Beispiel ist auch Mt 1,8: "Joram aber zeugte Usia". Tatsächlich war Usia der Ururenkel Jorams, wie wir aus dem AT wissen.
In neutestamentlicher Zeit wurde das AT hauptsächlich in Form der Septuaginta benutzt. Jesus zitierte daraus, die Apostel benutzten sie weitgehend, einige neu-testamentliche Verfasser benutzten sie sogar ausschließlich. Es gibt Stellen wie Apg 15,17 (wo Amos 9,12 zitiert wird), an denen der neutestamentliche Wortlaut sich vollkommen vom Masoretischen Text unterscheidet. Das könnte bedeuten, daß an einigen Stellen die LXX den originalen Wortlaut bewahrt hat. Es spricht deshalb auch einiges dafür, daß die LXX den älteren und genaueren Text in den Genealogien bewahrt hat.
Manetho 280